Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) ist eine hochkomplexe Traumafolgestörung. Vieles wurde bereits über die Entstehung und die Struktur von dissoziativen Systemen geschrieben. Doch was oft weniger verstanden wird, sind die inneren Konflikte, die widersprüchlichen Gefühle und die Dynamiken zwischen den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen.
Jeder Anteil hat seine eigene Gefühlswelt, sein individuelles Weltbild und oft auch eine völlig andere Meinung als die anderen. Diese vielschichtigen inneren Realitäten existieren gleichzeitig im selben Körper, – und können sich stark voneinander unterscheiden oder sogar widersprechen. Bei manchen ist alles gleichzeitig da.
Hinzu kommt: In vielen Systemen existieren programmierte Dynamiken, die gezielt zur Selbstsabotage oder zur Verwirrung innerhalb des Systems führen. Einige Anteile wurden so manipuliert, dass sie täterloyal agieren und versuchen, die alten destruktiven Strukturen aufrechtzuerhalten. Sie tragen sogenannte Fremdsysteme, energetische Bindungen nach außen oder innere „Anker“, die ihnen ein komplett verdrehtes Wertesystem vermitteln.
Manche Systeme wurden absichtlich so fragmentiert, dass sich zwei oder mehr Lager innerhalb der Innenwelt bilden. Diese inneren Gruppen stehen oft in ständigem Konflikt zueinander. Dadurch kann es sein, dass die betroffene Person keinen Zugang zu wesentlichen Teilen des eigenen Systems bekommt – oder keine Ruhe findet, weil der innere Kampf niemals endet.
Die Folge: Es wird für die betroffene Person fast unmöglich, zwischen Wahrnehmung, Täuschung und Manipulation zu unterscheiden. Alles, was gedacht, gefühlt und erlebt wird, ist gleichzeitig wahr und nicht wahr – weil es aus verschiedenen Teilen des Systems stammt. Emotional kann nicht, oder nur schwer, unterschieden werden, ob ein Gefühl im jetzt oder in der Vergangenheit initiiert wurde. Diese innere Zerrissenheit führt oft zu einem tiefgreifenden Verlust des Selbstvertrauens, der inneren Stabilität und der Verbindung zur eigenen Wahrheit.
Und genau das ist häufig Teil der ursprünglichen Intention der Täter: Die Betroffenen sollen sich selbst nicht mehr glauben, sollen sich innerlich verlieren, um weiterhin kontrollierbar zu bleiben.
Jedes System ist einzigartig
Kein dissoziatives System gleicht dem anderen. Die innere Dynamik, die Zahl der Frontpersonen oder Hauptanteile, die Art der Zusammenarbeit oder des Gegeneinanders – all das ist individuell verschieden. Ob die Innenpersonen miteinander kommunizieren, sich gegenseitig unterstützen oder blockieren – jede Struktur ist einzigartig in ihrem Aufbau und Erleben.
Dies sind nur einige der Grundstrukturen, die ein System prägen. Wer mit dissoziativen Identitäten arbeitet – sei es therapeutisch oder als betroffene Person – braucht nicht nur Wissen, sondern auch Feingefühl, Geduld und ein tiefes Verständnis für diese komplexen inneren Realitäten.


Liebe Sandra, ganz herzlichen Dank für diesen fundierten Beitrag.
Ich schätze deine Arbeit sehr und habe
auch zur Unterstützung meiner eigenen Heilung mit deinem Buch „bevor du aufgibt“ gearbeitet. Ich bin sehr, sehr dankbar für deine Aufklärungsarbeit.
Dein Buch hat mir auf ganzer Linie geholfen. Zudem möchte ich auch gern sagen, dass die Sätze „ich glaube mir, ich liebe mich so wie ich bin und ich stelle mich meiner Aufarbeitung und Heilung für mich absolute, existentielle, wesentliche Schlüsselsätze sind“.
Ganz herzlichen Dank auch für die Interviews auf Youtube.
Herzlich,
Annett
Liebe Annett,
herzlichen Dank für deine Worte. Ich freue mich sehr darüber, auch, dass du in meinem Buch „bevor du aufgibst“ Unterstützung gefunden hast. Die Sätze sind wunderbar, da bin ich ganz bei dir.
Herzlich,
Sandra