DiS – Therapie: Ein Weg zurück zu sich selbst – Teil 2

Das System kommt in Bewegung – wenn Heilung Unruhe bringt

Als die Arbeit weiterging, begann sich das Innensystem der Klientin stärker zu bewegen.
Zwischen den Sitzungen wirkte sie oft unorganisiert, es tauchten zwei neue Innenpersonen auf, plötzlich gab es veränderte Vorlieben und gleichzeitig viel Müdigkeit, innere Unruhe und neue Gefühle.
Das verängstigte sie, denn die Sorge war groß, alles könnte auseinanderfallen. Körperliche Symptome traten wieder auf; an einem Tag war sie so erschöpft, dass sie sich ausruhen musste.

Der Alltag wurde schwerer. Sie machte die Erfahrung, dass eine Psychotherapeutin mit ihrer Vergangenheit überfordert schien, obwohl sie nicht viele Details preisgab. Die Therapeutin wollte sie in eine Klinik schicken; rückblickend sehe ich, dass die Klientin sehr gut ohne Klinik zurechtkam.

Sie begann sich zu fragen, ob die Eltern etwas gewusst hatten. Es gab Vorfälle, die medizinisch erklärbar erschienen, in Wirklichkeit aber anders waren – kleine, merkwürdige Hinweise auf Erlebnisse, die sich nicht „einfach so“ erklärten.

Energetische Stabilisierung und Struktur
Energetisch stärkte ich ihren Front- und Hauptanteil und die Anbindung an ihre Seele. Es ging darum, diesen Anteil stabiler vorne zu halten.
Das ist wichtig, weil sich bei DIS oft eine Strukturlosigkeit bildet: Jeder Anteil kann dann einfach nach vorn treten und die Kontrolle übernehmen. Das macht das Leben unberechenbar.
Stell dir vor, du gehst einkaufen, etwas erschreckt dich und plötzlich bist du fünf Jahre alt, weißt nicht, wo du bist, und was du tun sollst. Oder völlig ungeeignete Gedanken und Gefühle überrollen dich. Wie soll man da wieder herauskommen und sich zurechtfinden?

Fremdanteile, Spaltprogramme und Persönlichkeitswechsel
Bei einem Persönlichkeitswechsel tritt plötzlich eine ganz andere Persönlichkeit in den Vordergrund. Sie lebt emotional in der Situation, in der sie abgespalten wurde, also traumatisiert, ängstlich und überfordert. Sie reagiert so wie damals, als sie überleben musste.

Andere Modi sind z.B. der Funktionsmodus (alles schaffen, Gefühle unterdrücken), Kämpfer- oder Wutanteile (die in bestimmten Situationen aktiv werden) – und Fremdanteile.

Fremdanteile sind besonders belastend: Sie werden installiert, sind wie Eindringlinge im System – angstmachend, boshaft, darauf ausgelegt, die Innenwelt gegeneinander auszuspielen. Ihr Zweck ist oft, Erinnerungen kleinzuhalten, in der Vergangenheit festzuhalten und zu verhindern, dass Anteile sich verbünden oder Heilung stattfinden kann. Solche Anteile können nicht mit der Seele verbunden werden und sind deshalb als Fremdkörper erkennbar – und sie können entfernt werden.
Bei dieser Klientin konnte ich mehrere solcher Fremdanteile lösen.

Spaltprogramme sind Mechanismen, die bewirken, dass sich ein Anteil bei Stress weiter aufteilt. Wenn ein bestimmter Anteil vorne ist, ein Anteil aus dem Hintergrund in engem Kontakt mit dem Frontanteil ist, oder ihn die aktuelle Situation triggert, entstehen weitere Abspaltungen. So erklären sich in manchen Fällen hunderte Anteile, die jeweils nur ihren Teil von der Wirklichkeit sehen. Diese Programme sind strukturell und können gefunden und aus dem System entfernt werden.

Schlüsselreize und Konditionierungen
Im Laufe der Therapie zeigten sich immer mehr Konditionierungen: Reize, die automatisch bestimmte Reaktionen auslösen.

Befehlsformen:

  • körperliche Kommandos (z. B. die Beine spreizen)
  • sexualisierte Anordnungen (z.B. bereit sein für Oralverkehr)
  • Gehorsam und absolutes Schweigen
  • Verbote, emotionale Reaktionen zu zeigen (nicht weinen, nicht auf Schmerz oder Blut reagieren)
  • körperliche Einschränkungen zu akzeptieren (z. B. Verletzungen oder nicht laufen zu können)

Oft werden auch Kinderreime oder -lieder benutzt, um Reaktionen zu verankern.
Jeder Betroffene hat seine eigenen Schlüsselreize: Worte, Silben, Lieder, Berührungen.
Jede Kinderseele wird geprüft und die Konditionierung wird auf die Grundpersönlichkeit des Kindes abgestimmt, um es bestmöglich zu unterdrücken und zu formen.

In der Energiearbeit ist es möglich, diese emotionalen Verknüpfungen zu lösen. Den Auslösereiz abzukoppeln und so den Automatismus zu unterbrechen. Weil die Funktion im System aber abgespeichert bleibt, braucht es anschließend Bewusstwerdung und ein aktives Umentscheiden im Alltag.

Das Innensystem kennenlernen
Es hatte sich zum Überleben gebildet, geschah einfach und dominierte ihr Leben. Sie wollte sich kennenlernen und übte, sich selbst zu beobachten.

Heilung braucht dabei eine Struktur, dafür, wer wann nach vorn kommt und wie Gedanken und Gefühle geteilt werden.
Jede Persönlichkeit hat ein Bewusstsein und das bekommt in dieser neuen Struktur ein Zuhause, welches nach den jeweiligen Bedürfnissen ausgerichtet ist. Allein dies ist für viele Persönlichkeiten schon ungewohnt. Und es braucht Zeit, bis sie wirklich annehmen können, was sie brauchen.

Die Ebenen kann man sich so vorstellen wie die Etagen eines Mehrfamilienhauses, die um unseren Hauptkanal herum angeordnet sind. Und dort kann alles entstehen, was für ein Wohlgefühl benötigt wird. Das kann eine weite Ebene mit Natur und kleinen Häusern für die Persönlichkeiten sein, oder ein großes Haus mit gemütlichen Räumen für jeden Einzelnen.

Die Persönlichkeiten werden zumeist auf mehreren Ebenen untergebracht, wobei die am schlimmsten traumatisierten in die unterste Ebene und die Alltagsanteile in die oberste Ebene kommen.
Die untersten Ebenen sind zumeist still und dämmrig, für diese Anteile gibt es weder Licht noch Freude.
Wenn alle angekommen sind, werden sie an die Seele und über den Hauptkanal ans Herz angebunden, damit Versorgung und Verbindung spürbar werden.

Jedes System reagiert unterschiedlich; oft gibt es Widerstände. Veränderung innen ist beängstigend, und es braucht Zeit, bis die neue Struktur angenommen und auch heil gelassen werden kann.

In den Sitzungen spreche ich regelmäßig mit der Frontpersönlichkeit: wie es sich anfühlt, wie sie die Veränderungen erlebt. Wenn möglich, werden Innenpersonen direkt angesprochen, oft hören sie zu und reagieren.

Therapieverlauf: Schritt für Schritt
Bei meiner Klientin tauchten immer wieder Widerstände auf: Teile spalteten sich erneut, es gab Persönlichkeitswechsel, körperliche Symptome und neue Erinnerungen. Ein neuer Anteil zeigte sich. Deshalb war es wichtig, den Hauptanteil immer wieder zu stärken und Fremdenergien sowie Fremdanteile weiter zu entfernen.

Wichtig ist dabei: Energetische Themen lagern sich in verschiedenen Ebenen ein. Sie können erst entfernt werden, wenn das jeweilige Thema bewusst und zugänglich geworden ist. Würde man sofort alles in die Tiefe erzwingen, würde das System überlastet und zu viel Unverarbeitetes hochkommen. Darum ist die Arbeit behutsam und schrittweise, immer im Tempo der Betroffenen.

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